Ein außergewöhnlicher Ort

Auf den Ruinen der zerstörten Abtei hat sich langsam ein charmantes Dorf aufgebaut, das heute 96 Einwohner zählt. Es ist verwaltungsmässig an die Gemeinde von Beauvoisin angebunden, eine etwa 15 km weit entfernte Kleinstadt. Wie alle Dörfer der Umgebung lebt Franquevaux in erster Linie vom Wein- und Fruchtanbau. Aber wir haben auch eine Schmiede, die seit 4 Generationen von der Familie Redon betrieben wird, einen kleinen Krämerladen, wo man sich morgens die berühmten französischen Croissants (Hörnchen) und ein frisches Baguette zum Frühstück holen kann und eine einklassige Dorfschule mit einem Lehrer und 13 Kindern von 4 bis 10 Jahren.

Abtei von Franquevaux

Franquevaux liegt in einer Sackgasse, die and den Schilfwäldern des Scamandre Sees endet. Nur selten stört ein Auto eines zur Arbeit oder zum Einkaufen fahrenden Dorfbewohners die beinah absolute Ruhe. Nachts hört man die Frösche und den Lockruf der Rohrdommel. Die grösste Kolonie Frankreichs dieses sehr selten gewordenen Vogels ist ein Steinwurf von unserem Dorf entfernt und regelmässig Ziel wissenschaftlicher Exkursionen.

Der camargische Stier ist in den 80er Jahren von dem Züchter Robert Terrasse "Vovo", eingeführt worden. Diese Stiere werden nicht für die Corrida gezüchtet sondern für die Dorffeste und die Kokardenrennen, bei denen nur die jungen Männer ihr Leben aufs Spiel setzen. Heute haben wir zwei Manaden (Stierzuchten) in Franquevaux: Manade de Franquevaux und die Manade Martini. Beide sind in der Region für die Qualität ihrer Animationen auf den Dorffesten bekannt, und man organisiert dort auch regelmässig grosse Partys mit Paella, Stiersteak und Stierrennen. Die Stierhüter der Zuchten sind alles Freiwillige und passionnierte Reiter, durch die die Traditionen von Generation zu Generation übermittelt und so erhalten werden konnte.

Das auf der zum grössten Teil zerstörten Abtei gebaute Dorf war beinah 200 Jahre lang in Vergessenheit geraten. Heute lebt es wieder auf dank der Landwirtschaft und des "grünen" Tourismus. Das "Mückenproblem" existiert nicht mehr, seitdem die stehenden Gewässer regelmässig behandelt werden. Keine Angst, es gibt immer noch genug, um die tausende Frösche, zahllosen Vögel und Fledermäuse zu ernähren, aber der Lebensraum der Mücken ist auf die Moore beschränkt und nur wenige stören die ruhigen Abende im Dorf.

In Franquevaux treffen sich Wasser und Land in der schönsten camargischen Tradition. Die Spuren seiner glohreichen Geschichte, die intime und ursprüngliche Stimmung eines winzigen Dorfes und seine aussergewöhnliche Lage zwischen Arles, Nîmes, Montpellier und dem Meer machen aus Franquevaux ein ausgezeichnetes Reiseziel für kurze oder längere Aufenthalte für alle (mit oder ohne Familie), die das Meer lieben aber die übervölkerte Küste flüchten und alle die mal eine andere und ursprünglichere südfranzösiche Gegend kennenlernen wollen als die Provence oder die Côte d'Azur.

 

  

Da, wo das Dorf aufhört, ist die Sonne nicht nur am Himmel, sondern sogar auf der Wiese

 und Herr Bürgermeister (rechts) und sein Stellvertreter für Franquevaux (links) verlieren nie die gute Laune

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