Die Kokardenrennen sind öffentliche Sportereignisse mit Stieren. Im Gegensatz zum Stierkampf sind die Kokardenrennen vollkommen unblutig.In den Anfängen hatten die Stiere alle möglichen Gegner in der Arena: Dorfknechte, Löwen, Ziegen und Bären. Die erste Erwähnung eines Stierkampfes ist aus dem Jahr 1402 anlässlich eines Festes zu Ehren von Louis II, Graf der Provence. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden die Kämpfe immer umstrittener. Neue Regeln wurden festgelegt und die Kokardenrennen haben sich seitdem nur wenig verändert.
Es werden an den Hörnern der Stiere kleine Objekt wie Blumen, Bänder oder Fähnchen befestigt. Ab und zu benutzte man sogar Würste oder andere Lebensmittel. Die Aufgabe der jungen Männer in der Arena ist es, diese Objekte von den Hörnern der Stiere abzunehmen.
Zu dieser Zeit erkannten die Züchter für diese Spiele die Qualität der in vergessenheit geratenen camargischen Rasse, die nur wenig für die schwere Landarbeit geeignet war. Diese Stiere sind kleiner (ca 250 - 300 kg), wendiger und weniger agressif als die spanische Zucht.
Die Spiele haben sich zum regelrechten Volkssport entwickelt und die Würste und Blumen wurden durch Bindfäden und Fähnchen ersetzt die mit Premien belohnt werden. Der moderne "Course Camarguaise" respektiert die totaler Integrität der Tiere. Im Gegensatz zum spanischen Stierkampf sind es vor allem die jungen Männer, die ihr Leben aufs Spiel setzen.
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Die Federation Francaise de la Course Carmarguaise ist die Dachorganisation dieses sehr populären Sports. Jedes Wochenende zwischen April und Oktober finden diese Spiele in den zahlreichen städtischen Arenen unserer Region statt. Das Publikum trifft oft seine Wahl je nach Auswahl der Stiere für ein Spiel und nicht unbedingt nach den Namen der Sportler. Im allgemeinen gibt es sieben Stiere mit einer Pause nach dem 4. Stier. Jeder Lauf beginnt mit dem Eintritt des Stieres in die leere Arena. Eine Minute lang nimmt er sie in Besitz und man läutet den Beginn. Zwischen 5 und 11 Läufer (raseteurs) laufen auf. Sie sind alle in weiss gekleidet, da der Stier diese Farbe nur spät erkennt. Die Läufer arbeiten mit den Drehern (tourneurs) zusammen, die mit Rufen und grossen Gesten den Stier in die günstigste Position bringen. Einmal fixiert am Rande der Arena sprinten die Läufer im flachen Halbkreis um den Stier herum und versuchen, mit eine kleinen Kralle in der Hand die Fähnchen und Bänder in einer festgelegten Reihenfolge abzureissen.
Ein Erfolg ist es auch, wenn sich Läufer regelmässig mehrere Male von links und rechts abwechseln. Der Stier soll ihnen folgen, aber auch auf einen neuen Anruf eines anderen Läufers reagieren. Die Sportler nehmen oft grosse Risiken in Kauf wenn die Prämien auf 100, 150 oder gar 300 euro anwachsen. Nicht selten verfolgt sie der Stier, und sie sind gezwungen sich mit einem grossen Sprung über die Barrieren zu retten. Ab und zu springt ihnen der Stier sogar hinterher mit einer spektakulären Kletteraktion.
Alle Fähnchen sind mit derselben Prämie angesetzt, die im Laufe des Spiels ständig erhöht wird bis sie schliesslich abgenommen wird. Die Lautsprecherannoncen wie: "Boulangerie Gerard, ouvert 7 jour sur 7, 2 euros de plus" ("Bäckerei Gerard, alle Tage offen, 2 euros mehr") oder "Le Maire et le Conseil Municipal portent la première ficelle à 100 euro" ("Der Bürgermeister und die Ratsversammlung ehöhen den ersten Bindfaden auf 100 euros"). Einige Noten aus Carmen bei besonderen Aktionen bilden den klanglichen Hintergrund dieser angenehmen und spannenden Nachmittage unter südlicher Sonne, die oft mit einem Anis Aperitif in einem Café um die Ecke enden.